Erste gemeinsame Jahrestagung

Arbeitsgemeinschaft österreichischer Klauenpfleger und Rinderzucht AUSTRIA

Am 25. September 2021 fand die erste gemeinsame Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft österreichischer Klauenpfleger (AÖK) und Rinderzucht AUSTRIA (ZAR) in der LFS Hohenlehen in Hollenstein an der Ybbs statt. Der Hausherr Direktor Ing. Leo Klaffner, der Geschäftsführer der Rinderzucht AUSTRIA (ZAR) DI Martin Stegfellner und Katharina Hoffelner von der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Klauenpfleger (AÖK) hießen die rund 30 Teilnehmer willkommen. Die Veranstalter begrüßten neben den Vortragenden Prof. Dr. Johann Kofler (Veterinärmedizinische Universität Wien), Ing. Gerald Pollak (Fleckvieh AUSTRIA), Dr. Christa Egger-Danner (ZuchtData) und DI Marlene Suntinger (ZuchtData) zahlreiche Klauenpfleger und Vertreter der Mitgliedsorganisationen der Rinderzucht AUSTRIA aus fast allen Bundesländern Österreichs.

Diese gemeinsame Veranstaltung zum Projektende des EIP-AGRI Projektes Klauen-Q-Wohl umfasste eine Zusammenschau und Vorstellung der im Projekt umgesetzten Maßnahmen, eine fachliche Weiterbildung im Bereich Klauengesundheit und Tierwohl und legte den Grundstein für die Etablierung einer Zusammenarbeit der AÖK und der Rinderzucht AUSTRIA für die Routine über das Projekt hinaus. Gemeinsames Ziel ist es, die Klauengesundheit in Österreich zu verbessern.

Gesunde Klauen sind eine wichtige Voraussetzung für das Wohlbefinden der Tiere, aber auch von wirtschaftlicher Bedeutung. In Österreich zählen Klauenerkrankungen mit 7,5 % der Abgänge im Jahr 2019 zu den dritthäufigsten Abgangsursachen von Milchkühen (ZuchtData 2020). Die direkten und indirekten Kosten von Lahmheiten werden auf bis zu 450 Euro pro lahme Kuh und Jahr geschätzt.

Mit dem Projekt Klauen-Q-Wohl gelang es, eine österreichweite, zentrale und standardisierte Erfassung und Auswertung von Daten zu Klauengesundheit, Lahmheit und Tierwohl aufzubauen, um betriebsspezifische Empfehlungen zur Verbesserung der Tiergesundheit abzuleiten. Eine wichtige Schlüsselrolle im Projekt stellen alle Klauenpfleger dar, die durch Ihre Arbeit tagtäglich einen Beitrag zur Verbesserung der Klauengesundheit leisten und durch ihre Ausbildung und Erfahrung das entsprechende Knowhow mitbringen. Aus diesem Grund freuten sich die Veranstalter besonders, dass Informationen und Erfahrungen ausgetauscht wurden und sich Feedback aus der Praxis geholt werden konnte.

Digitale Programme für die elektronische Dokumentation von Klauenbefunden bei der Klauenpflege bieten eine wichtige Grundlage für die Überwachung und Verbesserung der Klauengesundheit bei Rindern. Im Rahmen des Projekts Klauen-Q-Wohl wurde deshalb die App Klauenprofi entwickelt und von DI Suntinger mit den aktuellen Weiterentwicklungen vorgestellt. Diese App ermöglicht es LKV-Mitgliedsbetrieben in Österreich die Klauenpflege ihrer Rinder schnell und einfach zu dokumentieren. Aktuelle Auswertungen zur Situation der Klauengesundheit in Österreich wurden von Dr. Egger-Danner präsentiert. Das in Kooperation mit dem Projekt D4Dairy entwickelte Benchmarking wurde ebenso vorgestellt. Es ermöglicht den Betrieben einen Überblick wo ihr Betrieb im Vergleich zu anderen österreichischen Betrieben im Bereich Klauengesundheit liegt. Prof. Kofler erläuterte Ergebnisse aus 2 Diplomarbeiten, die sich mit der Verbreitung der verschiedenen Klauenerkrankungen anhand der zentral im Projekt Klauen-Q-Wohl erfassten Klauengesundheitsdaten der letzten Jahre beschäftigten. Lt. aktuellen Auswertungen ist die Mortellaro` sche Erkrankung (DD) in ca. 50 % der Betriebe in Österreich vertreten. Große Unterschiede gibt es in der Häufigkeit der akuten Fälle. Eine rege Diskussion zur Vermeidung der Einschleppung von DD in Betriebe wurde geführt.

Die neue LFI-Broschüre zur Klauengesundheit (Ein Leitfaden für die Praxis), die in Zusammenarbeit mit dem Projekt Klauen-Q-Wohl ausgearbeitet wurde, wurde vorgestellt. Neben der Beschreibung der Erkrankungen finden sich darin auch viele Anleitungen für die Praxis.

Die elektronische Dokumentation und zentrale Datenspeicherung im Rinderdatenverbund sind auch die Grundlage für die Entwicklung einer Zuchtwertschätzung. Im Projekt Klauen-Q-Wohl ist es gelungen, die Grundlage für die Entwicklung einer Zuchtwertschätzung zu legen. Diese ist derzeit in Entwicklung. Erste Zuchtwerte sind 2022 zu erwarten.

Prof. Dr. Johann Kofler lieferte einen sehr interessanten Vortrag zur Zwischenklauenphlegmone beim Rind – Ursachen, Risikofaktoren, Erscheinungsbild, Behandlung und Komplikation. Zwischenklauenphlegmone ist eine sehr schmerzhafte, bakterielle Entzündung des Zwischenklauengewebes der Rinderklaue. Viele Fragen und eine rege Diskussion folgten dem Vortrag.

Im Anschluss referierte DI Gerald Pollak von Fleckvieh AUSTRIA zu „Exterieur- Formalismus oder klarer wirtschaftlicher Nutzen?“. Im praktischen Teil demonstrierte Ing. Pollak direkt anhand von zwei Kühen das System FleckScore. Dieses Notenvorschlagssystem liefert einheitliche Ergebnisse unabhängig von Zuchtgebiet und Beurteiler. Ziel und Zweck der Beurteilung von Fleckvieh nach FleckScore ist zum einen das möglichst frühe Erkennen und Beschreiben jener Exterieurmerkmale, die die Nutzungsdauer positiv beeinflussen und zum anderen die Datenlieferung für die Zuchtwertschätzung Exterieur. Gemessen werden insgesamt 22 Einzelmerkmale betreffend Rahmen, Bemuskelung, Fundament und Euter.

Da Hohenlehen bekannt ist für die Verarbeitung und den Verkauf von regionalem Fleisch und Fleischprodukten, nutzten die Teilnehmer abschließend noch die Chance, den Schlachthof der bäuerlichen Schlachtgenossenschaft sowie den Verkaufsladen gemeinsam mit Dir. Ing. Leo Klaffner zu besichtigen. Im Anschluss interessierten sich die Teilnehmer weiters für die neue Fischzuchtanlage der LFS Hohenlehen, die durch DI Paul Egger vorgestellt wurde.

Den Abend ließen die TeilnehmerInnen noch bei einem gemeinsamen Abendessen mit musikalischer Umrahmung ausklingen.

Danke allen Beteiligten für die gelungene Veranstaltung!